Lehramtsexkursion nach Indonesien

Eine persönliche Zusammenfassung der Teilnehmer


06.03.-05.04.2006: Sonja Butkereit (Realschule), Dominik Göldner, Isabelle Jung, Monika Rucker (alle Gymnasium), Stefan Passing (Grundschule), Robert Posch (Hauptschule).

07.09.-04.10.2011: Marie-Madeleine Böhm, Andrea Diepold, Laura Fritze, Martin Kern, Daniela Hendricks, Jessica Langheinrich, Sissy Löhner, Julia Strauch.

25.08.-06.10.2015: Franziska Huttner, Julia Simon, Julia Vogel, Marie-Christine Gerhardt, Malte Michelsen.

Leitung: AD Walter Wagner, Didaktik der Chemie

Was machen Lehrämtler auf einer Auslandsexkursion, dazu noch in einem vermeintlichen Entwicklungsland?

Diese Frage haben uns viele gestellt, als wir von unserem Vorhaben berichteten. Die vordergründige Antwort fällt ziemlich klar aus: dasselbe, was sie hier auch machen, aber unter den Vorzeichen einer anderen Kultur und eines anderen Bildungssystems, sie hospitieren Unterricht und unterrichten selber (2006, 2015), bilden Lehramtsstudenten aus (2011) und Chemielehrer fort (2011, 2015). Unsere Gastgeber:

1. In 2006: Die Indonesische Universität für Lehrerbildung (UPI) in Bandung ist die wohl renommierteste Institution für naturwissenschaftliche Lehrerbildung in Indonesien. Einer der Dozenten, Dr. Sjaeful, hat in Deutschland promoviert und konnte uns erste grundlegende Informationen liefern und über viele sprachliche Schwierigkeiten hinweg helfen. Unterrichtet haben wir an einer Oberschule, der SMA 3: Modelle und ihre Aussagen am Beispiel Methan. Dabei dienten einheimische Früchte als Kohlenstoff- bzw. Wasserstoffatome, Holzstäbchen (Sate-Spieße) als chemische Bindungen.

2. Nanda Haridas, ein an guter Bildung interessierter Geschäftsmann aus Balikpapan (Provinz Ostkalimantan), organisierte für uns in 2006 den Kontakt zu vielen Grund- und Mittelschulen sowie, was unschätzbar wertvoll war, eine Woche Familienaufenthalt für die Teilnehmer. Zusammen mit indonesischen Studenten unterrichteten die Bayreuther in mehreren Grundschulen (SD) zum Thema Wasserkreislauf sowie einigen Mittelschulen (SMP) über die Begriffe Reinstoff, Gemisch und Sicherheit im Chemieunterricht mit Hilfe von Supermarktprodukten.

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Die Teilnehmer von 2006 stellen sich einer 11. Klasse in Bandung vor.

2006: Unterricht in einer 5. Klasse einer christlichen Grundschule in Balikpapan. Lehrer schauen zu.

2. In 2011 und 2015: In Bogor (bei Jakarta) absolvierten die Teilnehmer den botanischen Teil der Exkursion in einem der bekanntesten Botanischen Gärten der Welt: Kebun Raya. In Bandung war der geographische Teil dran: Besuch eines Nationalparks mit Vulkan: Tangkuban Perahu (2006, 2011) bzw. Kawah Putih (2015).

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2011: Kebun Raya, Bogor. Cycadeen-Park.

2011: Tangkuban Perahu, bei Bandung, Westjawa.

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2015: Kawah Putih, bei Bandung, Westjawa.

2015: Kebun Raya, Bogor. Orchideengarten.

3. In 2006, 2011 und 2015: An der Mulawarman-Universität in der Provinzhauptstadt Samarinda waren wir Gäste der Fakultät für Lehrerbildung, Abteilung Chemie. Dr. Nurhadi bzw. Nurul Kasyfita organisierte für uns Zugang und Unterrichtsmöglichkeiten in staatlichen und moslemischen Schulen und ermöglichte den bayreuther Studenten intensiven Kontakt mit einheimischen Lehramtsstudenten für das Fach Chemie. "Auch hat mich die relativ gute Ausstattung einiger Schulen verwundert. Ich habe damit nicht gerechnet, dass in fast jedem Klassenzimmer ein Beamer war. Allerdings gab es in den öffentlichen Schulen sehr wenig Material zum Experimentieren" erinnert sich eine Teilnehmerin.

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2006: Nach dem Unterricht in einer moslemischen Grundschule von Samarinda.

2011: Nach dem Besuch einer Schule Bild mit der Schulleitung.

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2015: Unterwegs mit Studenten der UnMul Samarinda.

2015: Empfang durch die Schulleitung der SMP Cordova.

4. In 2011: Für ihre Unterstützung revanchierten wir uns bei den indonesischen Studenten mit einem Tag Experimentierkurs. Wenig Material intensive Experimente wurden in Gruppen ausprobiert anhand von englischen Anleitungen. "Das schönste in Samarinda waren die freundlichen und sehr gastfreundlichen Studenten. Wir wurden ständig abgeholt und haben auch noch eine phänomenale Abschiedsfeier bekommen." Für Lehrer gab es einen internationalen Fortbildungstag, wofür der Gouverneur der Provinz seinen Festsaal zur Verfügung gestellt hatte. "Auch wie einfach das Labor aufgebaut war und wie wenig Chemikalien zur Verfügung standen war sehr interessant. In der Schule hätte ich so etwas erwartet, aber nicht an der Uni."

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2011: Fortbildungstag für indonesische Lehrkräfte im Gouverneurspalast.

2011: Wir durften bei der Begrüßung der neuen Erstsemestler dabei sein.

5. In 2015: Wir waren Teil eines International Chemistry Seminar, in dem W. Wagner als key speaker, ein Technologe aus Malaysia und zwei Chemiker aus Indonesien den ersten Teil bestritten. Am Nachmittag stellten Dozenten der UnMul ihre Forschungen vor. Beeindruckend war das Rahmen-Programm im großen Saal des Rektorat (=Universitätspräsident).

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2015: Key Talk über gute Lehre und gutes Lernen.

2015: Zwei Tanzgruppen von Studierenden.

6. In 2006 und 2011: Erholung und Landeskunde: zu beiden Gelegenheiten durften wir die Gastfreundschaft der Bewohner von Derawan genießen, einer Südseeinsel, wie sie im Buche steht. Korallenriffe, viele Tiere, warmes Badewasser und immer was los... In 2015 hinderte uns eine der größten Umweltkatastrophen der Erde, brennende Urwälder von Sumatra bis Ostkalimantan um Ölpalm-Plantagen für unsere "nachwachsenden Rohstoffe" anzulegen, daran, den Ausgangspunkt anzufliegen. Als Ersatz ging es den Mahakam-Fluss hinauf und nach Java.

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2011: Schildkröten zur Begrüßung, gleich am Steg unterhalb der Unterkunft.

2011: Entspannung auf der Insel Derawan nach getaner Arbeit (muss auch sein).

Orang

Mahakam

2015: Orang-Utan Wiederauswilderung, nachdem sie von brennenden Böden gerettet und medizinisch versorgt wurden.

2015: Dörfer auf Pfählen und Planken, im Hintergrund Reste des Urwaldrauches.

Borobudur

Angklung

2015: Borobudur-Tempelanlage bei Yogyakarta.

2015: Herstellung des Bambusinstrumentes Angklung in Bandung.

Für deutsche Studierende war ein Schulsystem, in dem alle Leistungsstufen in einem Raum und alle Altersstufen bis hin zum Abschluss in der 12. Klasse in einer Schule zusammen sind, völlig neu. Alltagsorientierter Unterricht, wie man ihn sich an bayerischen Gymnasien wünscht, war in Naturwissenschaften Notwendigkeit und Regel. Die Offenheit der Schüler sowie Schuluniformen für Schüler UND Lehrer beeindruckten. Viele indonesische Lehrer waren sehr interessiert an Lehrplanausgestaltung und Schulentwicklung. Gleichzeitig waren die Gespräche mit den Lehrern für die Exkursionsteilnehmer wohl am wertvollsten: wenn von unseren Lehrern in Zukunft Engagement bei der Schulentwicklung verlangt wird, können die Teilnehmer aus den Erfahrungen mit einer ganz anderen Arbeitsweise viel kompetenter und überzeugender die Schwächen ihrer Schule aufdecken und Alternativen diskutieren.

Die tiefere Antwort auf die Eingangsfrage muss nun lauten: auf unserer Reise haben wir fast mehr über unser eigenes Schulsystem gelernt als über das des Gastgeberlandes: was das Bildungssystem betrifft, sind WIR in Bayern das Entwicklungsland.


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